Kritik PINK PUNK PANTHEON 2000
vom 21.1. aus dem Kölner Stadt-Anzeiger:


"Pink, Punk, Pantheon", die traditionelle Karnevalsrevue, labt
sich am Gülle-Fass der CDU
Der Heimatverein tanzt um den Altbundes-Tubby

Von Günther Beyer

Bonn - Da ist mal ein beeindruckter Mensch den Rainer Pause so
angegangen: "Wie lange probt ihr das Zeug eigentlich, das muss ja
ewig dauern?" Stimmt, die Annahme drängt sich auf. "Pink, Punk,
Pantheon", die traditionelle Karnevalsrevue des 1. FKKV Bn V.
Heimatverein Rhenania von 1983, erscheint immer neu als ein vom
Ensemble präzis ausgetüfteltes Gesamtkunstwerk, für dessen Herrichtung
man sich die gebührende Zeit genommen hat.

So gesehen war am Mittwochabend zu Beginn der Session 2000 im
Bonner Pantheon die Frage immanent, ob es wirklich dieser obskure
Waffenhändler war, der das Gülle-Fass der CDU aufgemacht hat, oder
dies vielmehr in Wahrheit die Herren Litzmann und Schwaderlappen
taten, die Vereins-Präsiden, die sich einen lang gehegten Wunsch
erfüllt haben. Derart, wie die Pantheoniken den Fall des Helmut Kohl
und seiner Finanz-Camarilla servierten: Da kam ein ganz, ganz übler
Verdacht auf. Der Agent Provokateur, daherkommend als Kassenbrille
tragender Dummdödel am Präsidiumstisch, Ahnungslosigkeit
vorgebend? Bevor indes eine Verschwörungstheorie überhand nimmt,
dies: Hier bewährte sich nur das System Hermann Schwaderlappen/Fritz
Litzmann, sich aus der Überzeugung speisend: "Wer übt, kann nix."

Ziemlich überheblich? Klingt nur so. Norbert Alich (Schwaderlappen)
und Rainer Pause (Litzmann) üben nicht lange, wenn es gilt, den
Abgesang auf eine große Volkspartei halten zu müssen. Da sind
Vereinsvorsitzender und Alterspräsident (sprich auch: Ehrenvorsitzender)
viel zu eingespielt und clever, um sich von der Geröll-Lawine schwarzer
Kassen untermangeln - und sich die Schau stehlen zu lassen.

Sie entkorken "die letzte Flasche für Helmut Kohl" (eine Rüttgers Klub)
und lassen die Teletubbys ("schmusen, schmusen") um den
Altbundes-Tubby tanzen. Sie spazieren in der Pause rüber zum
CDU-Haus ("frische Luft schnappen") und kommen beschwert wieder.
Sie hat jemand mit Handschellen aneinander gekettet und ihnen eine
schwarze Kasse ans Bein gebunden. Aus Vereins-Vasallen werden
Aufständige. Litzmann gibt den Ehrenvorsitz auf. So geht es aber
unbeschwert fort, hinterhältig so angelegt: Komme was da noch
kommen möge bis zum jüngsten Gericht (oder zum Sessions-Ende) in
Sachen Bimbes-Republik, der Verein wird's schon aktuell zurichten.
Spätestens Rosenmontag sind wir schlauer.

Ach ja, der Karneval. Der wäre da auch noch. Und natürlich der
absolvierte Politiker-Wegzug. Da hat es, wie wir wissen, von einfältiger
Seite Bemühungen gegeben, mit der Regierung auch den rheinischen
Karneval nach Berlin zu exportieren. Was ein gemeingefährlicher Unfug
wäre. Da den Preußen bekanntlich jede Form von Ironie abgeht, muss
natürlich damit gerechnet werden, dass etwaige Berliner Stadtsoldaten
(Gernot Voltz, Axel Kruse) ihre Kanonen eben nicht mit Gummibärchen
bestücken, sondern mit Splitter-Granaten. Dass diese Vorstellung den
Vereinsvorsitzenden Schwaderlappen nicht all zu sehr grauste, ist sein
Privatproblem.

Weil es mit dem Karneval in Preußen also hoffentlich nichts werden
wird, muss weiter mit dem Umstand gelebt werden, dass Berlin-genervte
Staatssekretäre donnerstagabends erst den Beamten-Shuttle und
anschließend ihre Bonner Dauergeliebte besteigen. Und es gibt ja sonst
noch so manches vom Humorstandort Bonn zu berichten. Dass es
wieder eine (verfrühte?) Mehrheit der CDU im Stadtrat gibt, und die
SPD-Oberbürgermeisterin "Frau Schürmann" nun versucht den
beißwütigen Reiner Schreiber ("der Dackel der Fraktion") an die Leine
zu bekommen.

Der als welscher Macho-Interpret bewährte Jean Faure fällt für die
Helfer-Rolle wie immer aus. Und schon droht die Mehrheitsfraktion: "Die
Frau schieben wir nach Düsseldorf zu ihrem Mann ab, wenn sie nicht
sofort alle Ampeln in Bonn auf Dauer-Grün stellt. Das Pantheon erwägt
Gewährung von Kirchenasyl. Noch was zum Thema Billig-Strom? Da
wäre eine hinreißende Rammel-Szene von Stecker und Steckdose zu
erwähnen, ausgeführt von Babette Doermer und Karin Krömer,
musikalisch animiert von den Kräften um Sangit W. Plyn.

Nach mehr als vier Stunden hat auch der Altbundes-Tubby (Uwe Kania)
Ruh'. Fritz und Hermann sind besoffen. Absingen der Vereins-Hymne.
Großer Jubel. Auf geht's. Es sind noch 36 Vorstellungen.

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